5 Tricks fürs Bandplaying

Keine Ahnung, ob du regelmäßig in Bands mit anderen zusammen spielst, oder ob du eher der „Ich-spiele-nur-für-mich-in-den-eigenen-vier-Wänden“-Typ bist. Auf jeden Fall würde ich es dir sehr empfehlen mit Anderen zusammen zu spielen: Zum einen kannst du viel dabei lernen und zum anderen macht gemeinsam Musik zu machen noch viel mehr Spaß als alleine!

Jedenfalls habe ich heute mal meine Top 5 – Tricks fürs Zusammenspiel für dich. Die Idee dazu kam uns, als mich kürzlich abends mein Bruder und Co-Founder Joerka (den ihr sicher schon von der ein oder anderen Supportmail kennt) konkret gefragt hat, was er im Bandkontext beachten müsse – für die musikalische Untermalung der Trauung eines guten Freundes. So here we go:

  1. Spiele im passenden Frequenzbereich: Es gibt ja tiefe, mittlere und hohe Töne, in denen Musik stattfindet. Am Piano haben wir darüber allein schon mal visuell einen super Überblick. Konkret heißt das für dich: Keine Oktaven bzw. tiefen Noten in der linken Hand! Die spielt ja bereits der Bass.
  2. Die Gitarre ist das Instrument, das dir am leichtesten in die Quere kommt, da ihr beide Akkorde, Rhythmen und evtl. noch Basstöne spielt. Und das auch noch im gleichen Frequenzbereich. Drum versuche, etwas ergänzendes zur Gitarre zu spielen, z.B.: Sie spielt tief – dann du eher hohe Noten. Sie spielt viel – du wenig. Sie spielt am Anfang des Taktes ein paar Achtelnoten und bleibt dann liegen – du füllst den Rest des Taktes auf.
  3. Oft geben Drums & Bass den Rhythmus vor. Höre genau hin und spiele passend dazu. Wenn z.B. ein Akkord als Synkope (also vorgezogen) von den beiden gespielt wird – spiele ihn auch vorgezogen.
  4. Aufeinander hören: Ihr seid ein Team – keine Einzelkämpfer! Weniger ist oft mehr. Wenn z.B. die Gitarre einen dichten durchgehenden Rhythmus spielt, „matscht“ es nur, wenn du das auch machst. Dann lieber nur Akkorde legen ohne großen Rhythmus.
  5. Hab Spaß! Wenn du mit guter Laune und entspannt an die Sache rangehst, wirst du besser spielen und bist garantiert kreativer!

Es gäbe noch zig weitere Tipps und außerdem bestätigen Ausnahmen die Regel. Also gilt wie immer: Viel ausprobieren!

Songanalyse: Michael Jackson „Man in the Mirror“

Im heutigen Blog möchte ich mir mit dir zusammen mal einen Song ganz genau anhören. Du kannst nämlich total viel zu den Themen Poppianospiel, Songaufbau, Arrangement, Bandzusammenspiel und ganz allgemeines Musikverständnis lernen, wenn du einen Song genau analysierst!

Ich habe irgendwo mal den Spruch gehört: „Es ist besser, einen Song 10 Stunden lang zu hören als 10 Songs eine Stunde lang“. Und das ist in der heutigen Zeit, in der wir mit Spotify & Co. quasi Direktzugriff auf Millionen von Titeln haben, gar nicht mal so einfach. Ich merke oft selbst, wie ich  Songs kurz „checke“, aber mir gar nicht die Mühe mache, sie genauer zu untersuchen, richtig kennenzulernen und sie wie eine Zwiebel Schicht für Schicht zu schälen. Warum? Weil da schon wieder zig andere darauf Songs warten, angehört zu werden. Aber immer wenn ich dann doch mal so richtig in einen Song eintauche, habe ich danach das Gefühl, ihn wirklich zu kennen, mit ihm etwas zu verbinden, ja vielleicht sogar meine eigene Geschichte mit ihm zu haben. Und so möchte ich dich heute mit hinein nehmen in einen meiner Lieblingssongs von Michael Jackson – „Man in the Mirror“. Also schnapp’ dir doch einen Kopfhörer (oder gute Boxen), höre dir den Song an (z.B. hier auf spotify) und wir schauen mal, was wir dabei so alles entdecken können!

Der Song wurde 1987 auf seinem 3. Soloalbum „BAD“ veröffentlicht und ging als 4. Singleauskopplung des Albums Anfang 1988 auf Platz 1 der US-Billboard-Charts. Aus heutiger Sicht ungewöhnlich dabei ist schon mal die Songlänge von 5:19 min. Heute sollen Charthits 3:30 min nicht überschreiten – die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums scheint also vor 30 Jahren noch größer gewesen zu sein :). Geschrieben wurde „Man in the Mirror“ nicht von Jackson selbst, sondern von Siedah Garrett und Glen Ballard. Siedah fungierte damals übrigens auch als Duett- und Backgroundsängerin von Michael. Produziert wurde die Nummer wie die beiden vorherigen Alben „Off the Wall“ und „Thriller“ vom genialen Quincy Jones.

 

„Man in the Mirror“ ist in G-Dur und startet klassisch im Vers – PreChorus – Chorus – Prinzip, geht aber nach dem 2. Chorus statt der obligatorischen Bridge anders weiter:

Vers 1 (doppelter Vers) – PreChorus – Chorus – Vers 2 – PreChorus – Chorus (doppelt) – verlängerter Chorus (+ Gospelchor) mit plötzlichem Tonartwechsel nach Ab-Dur bei 2:54 min.

 

Interessanterweise nicht durch eine Modulation, also einen Tonartwechsel, der angekündigt und mit Zwischenakkorden eingeleitet wird, sondern durch eine Rückung, also den unvermittelten Start der neuen Tonart. Schön dabei der Break auf die Zählzeit „3und“ („make that“) und der Neueinstieg in Ab-Dur auf „change“. Das ist ein tolles Beispiel, wie Musik den Text unterstützen kann. Die vorrangige Botschaft des Songs ist ja, im Angesicht der ganzen Nöte der Welt einen Unterschied zu machen und dabei bei einem selbst, also dem „Man in the Mirror“, zu beginnen. Mit dem Break und der Rückung bekommt das Wort „change“ eine besondere Betonung – als Appell an den Hörer sozusagen! Dieser wird danach durch den mehrfach wiederholten Chorus und der fortlaufenden Phrase „Make that change“ unterstrichen, unterstützt von einem ermutigenden Gospelchor. Dazu später noch eine private Anekdote.

Nach diesem Höhepunkt könnte der Song eigentlich bei um 3:54 min herum enden, aber Michael nimmt einen neuen Anlauf, nach 8 Takten kommt wieder der Backbeat dazu (Schlagzeugbetonung auf Schlag 2 & 4) und er appelliert weiter an sich und uns, doch einen Unterschied zu machen.

Ich glaube, als Musiker ist man leicht in Gefahr, sich beim Musikhören vorzugsweise auf das eigene Instrument zu konzentrieren und den Text erstmal außer Acht zu lassen. Mir ging es zumindest schon häufig so. Aber wenn du einen Song wirklich verstehen willst, ist der Text als Transportmittel der Botschaft unerlässlich! Also google ruhig mal nach Songlyrics oder lese im CD-Booklet mit.

 

Lass uns aber jetzt nach diesem Gesamtüberblick mal mehr ins Detail gehen und checken, was die einzelnen Instrumente so machen:

Die Nummer beginnt mit einer eingängigen Melodie mit einem 80er-Glockensound, der mit einem Viertel-Delay versehen ist (also ein Echo-Effekt, der genau zum Songtempo passend einen Viertelschlag später kommt). Hör mal bei 0:05, wie die Töne g und d doppelt nachklingen. Das ist nicht gespielt, sondern kommt durch das Delay. Dadurch klingt der Sound, der am Anfang ganz alleine steht, räumlicher und tiefer. Für mich ist der Songbeginn so ein „Trademark-Lick“: Ich habe es zigmal erlebt, dass ich „Man in the Mirror“ auf einer Party am Keyboard mit diesem Sound zu spielen beginne und gefühlt jeder im Publikum in diesem Moment weiß, was jetzt kommt. Also die Verbindung von dieser Melodie mit diesem Sound scheint unverkennbar zu sein!

Zu der Melodie dazu kommen nur ein paar Ad-libs (mhhs, aahs, oohs) von Michael sowie Schnipser und ein Shaker. Unterm Kopfhörer kannst du auch gut hören, wie der Shaker bei 0:06 mal von links, von rechts und wieder von links kommt. Kleine unscheinbare Details, die aber das sogenannte Salz in der Suppe sind!

Die Glockenmelodie bleibt und Michael singt den 1. Teil des Verses dazu. Ab dem 2. Teil (0:29 min) kommen weitere Keyboardsounds hinzu (80er E-Piano + Flächensound), die die Grundmelodie unterstützen und weiterführen. Diese wird aber weiterhin als eine Art Antwort gespielt (ab 0:33 min).

Jetzt steigt auch das Schlagzeug mit ein, allerdings nur mit sehr wenigen Elementen:

  • eine Kick (also die tiefe große Trommel, die mit dem Fuß gespielt wird) auf 1 & 2und.
  • ein Sidestick auf die 4 (beim Sidestick wird nur der Rand der Snaretrommel angeschlagen – klingt also höher und leichter).

Danach folgt ab 0:49 min der PreChorus, also der Zwischenteil, der auf den eigentlichen Chorus hinleitet. Die Keyboards springen zum 1. Mal tiefer – der ganze Sound des Songs wird dadurch fülliger und baut sich langsam auf. Dabei spielt Greg Phillinganes (einer DER Top-Keyboarder der letzten 40 Jahre und langjähriger Begleiter und Musical Director von Michael) tiefe Achtel-Arpeggios auf 1, 1und & 2 in der linken Hand und dann kommt der ganze Akkord rechts dazu.

Ein guter Trick zum Abschauen für uns: warum nicht mal einen Song eher leicht und luftig in den höheren Oktaven beginnen und erst nach einiger Zeit nach unten wechseln?!

Dazu kommt eine hohe Streicherlinie, die langsam Ton für Ton nach oben schreitet. Hör mal ganz genau hin; sie ist relativ leise und eher auf der linken Seite zu hören (wenn du deine Kopfhörer richtig herum aufgesetzt hast :)). Langsam verdichtet sich das Arrangement auch soweit, dass man gar nicht mehr im Detail sagen kann, welcher Keyboardsound was genau spielt. Ich vermute auch im PreChorus bereits eine effektbeladene Gitarre zu hören, die sich elegant mit den ganzen Keyboardsounds vermischt. Die Gitarre als solches hörst du dann spätestens ab 3:55 min mit ihren typischen Singlenotes (also einzelne, oft gleiche Noten nacheinander).

Zurück zum PreChorus: Ist dir aufgefallen, dass wir bis jetzt noch keinen Bass gehört haben? Der startet nämlich erst ab 1:06 min mit einem Auftakt zum Chorus hin. Also bis hierhin schon mal ein wunderschönes Beispiel für einen Songaufbau, bei dem Schritt für Schritt weitere Instrumente hinzukommen, um den Song langsam zu steigern und der Synth-Bass (also kein E-Bass-Sound einer Bassgitarre, sondern ein mit einem Synthesizer erzeugter Basssound) erst im Chorus dazukommt, wenn es zum 1.Mal „fett“ klingen soll! Eine weitere Steigerung passiert beim Interlude nach dem 1.Chorus (1:27 min), wenn das Schlagzeug vom leichten Sidestick auf die Snare wechselt und einen harten Backbeat (siehe oben) spielt. Der geht ab dann erstmal durch.

Auch die Rhythmik im Chorus ist interessant – achte dabei mal auf die Keyboards: Die Akkorde kommen auf die Zählzeiten 1, 3 & 4und (Synkope) und im 2. Takt auf 3 & 4. Diese zwei Takte sind dann gleich minimal verändert: Wir haben eine weitere Synkope (also eine vorgezogene Note) auf der 2und. Das 3. Mal ist dann wieder wie das 1. Mal.

 

Die Akkorde dabei:

||: G   G/B   | C   C/D     :||

| G   G7/B   | C   A7/C#   |

| Dm7/4      |                     |

Die Harmonik ist also auch nicht ganz gewöhnlich à la 4-Chordsong, sondern die Standardkadenz in G-Dur wird mit A7/C# und Dm eindeutig verlassen. Das zieht sich übrigens durch viele Songs der 80er Jahre: Ein harmonisch durchaus anspruchsvolles Songwriting.

 

Zum Heraushören der einzelnen Instrumente kannst du gleich mal folgende Übung machen: Du startest den Song von vorne und probierst dich ausschließlich auf ein Instrument zu konzentrieren.

Also beispielsweise der Glockensound: Am Anfang natürlich völlig gut hörbar, weil er fast allein steht. Dann im 2.Teil des Verses kommt er nur als Antwort. Im PreChorus und Chorus ist er nicht zu hören, beginnt aber wieder ab 1:33 min mit dem Antwort-Motiv vom Beginn. Dieses kommt auch wieder beim 2.Vers usw.

Oder die Streicher ab 0:49 min, die mit einem hohen g einfaden (Tipp: ab 0:50 min sind sie leichter zu hören!). Deren Melodie geht wie gesagt schrittweise immer höher. Der letzte hohe Ton g (jetzt eine Oktave höher als zu Beginn der Melodie) bleibt dann erstmal im Chorus liegen. Dann scheinen sie verschwunden, aber ab 1:21 min kannst du wieder einen Tonwechsel (a und d) hören. Sehr subtil, aber doch hörbar. Wenn du es nicht auf Anhieb wahrnimmst, höre dir die Stellen einige Male an und probiere auch mal, die Töne am Klavier mitzuspielen. Das kann dir bei der präziseren Wahrnehmung helfen.

Oder achte nur mal auf den Synth-Bass ab dem Chorus: Er spielt total geile und ausgefuchste Gegenmelodien – also höre dir doch den ganzen Song nur mal unter dem Gesichtspunkt „Bass“ an!

Ein akustisches Piano kommt übrigens auch noch dazu: Direkt bei dem Tonartwechsel ab Ab-Dur bei 2:54 min spielt Greg volle Oktav-Akkorde (also Ab-Dur z.B. als as c es as) rhythmisch interessant dazu. Achte z.B. mal auf die 16tel-Synkope bei 2:59 min oder seine Auffüller bei 3:02 min. Also ein weiteres Steigerungselement zusätzlich zur Rückung und dem Gospelchor.

 

Zum Gospelchor wollte ich ja noch wie anfangs erwähnt eine private Anekdote erzählen: Es handelt sich bei der Aufnahme um die Andraé Crouch-Singers. Andraé Crouch zählte zu den Urvätern des modernen Gospels und wurde von vielen bekannten Popacts immer wieder gebucht, wenn es um authentisches Gospelfeeling ging. Während meiner Zeit in Los Angeles 2010 hatte ich das Privileg, Andraé persönlich kennenzulernen und mit ihm öfters Musik zu machen. Selten habe ich einen so demütigen und liebevollen Musiker kennengelernt, der trotz seines Erfolgs (9 Grammys, Stern am „Walk of Fame“ in Hollywood etc.) völlig auf dem Teppich geblieben ist, nur auf Nachfrage von sich erzählt und vor allem daran interessiert war, was sein Gegenüber musikalisch so treibt. Jedenfalls hat Andraé bei „Man in the Mirror“ die Vocals arrangiert und mit seinem Chor eingesungen. Als ich 2010 mal wieder abends bei ihm war, meinte er, er müsse noch ein Chorarrangement machen und ich solle das Ganze aufnehmen. Man muss dazu wissen, dass Andraé keine (!) Noten lesen kann, sondern alles intuitiv und nach Gehör macht. Also habe ich in seinem kleinen Homestudio nacheinander die einzelnen Chorstimmen am Computer aufgenommen, die eine Sängerin seines Chores auf sein Vormachen hin eingesungen hat. Es war also ein völlig natürliches Ausprobieren, Anhören, eine 2. Stimme dazu probieren, diese wieder verwerfen und eine weitere ausprobieren etc. Also genau die Art von Ausprobieren, die ich in meinen Videos immer wieder predige ;).

Am Schluss hatten wir dann zu dem Demo sein mehrstimmiges Chorarrangement. Das haben wir dann auf CD gebrannt und als er mich ein paar Tage später zur Studiosession in ein großes Tonstudio in LA mitgenommen hat, hat er einfach einen tragbaren CD-Player aufgestellt, seinem Chor (der so aus 10-12 Personen bestand) gesagt, jeder solle sich mal seine Stimme anhören und anschließend haben die stimmgewaltigen schwarzen Sängerinnen und Sänger das Ganze im Kreis stehend um zwei Mikrofone eingesungen. Ich weiß noch zu gut, wie ich mit Gänsehaut in der Regie saß und mir damit nur zu gut bildhaft vorstellen konnte, wie das wohl damals bei der Michael Jackson-Session abgelaufen sein muss! Für mich war es ein ganz besonderer Moment, miterleben zu dürfen, wie die ganz Großen arbeiten.

 

Jetzt könnte man noch viel weiter in Details des Songs gehen, aber ich denke du hast eine Ahnung davon bekommen, was es bei genauem Hinhören so alles zu lernen und zu entdecken gibt! Also wenn dir „Man in the Mirror“ genauso gut gefällt wie mir, hoffe ich, du hast viel Spaß dabei, den Song zu untersuchen, seine verschiedenen Parts mal ganz genau zu beachten und zu verstehen, was genau da eigentlich so vor sich geht.

Und dann höre dir den Song auch wiederum als Ganzes an, oder schau dir mal das Musikvideo dazu an. Dieses unterstreicht mit seinen zusammengeschnittenen Clips von verschiedensten Katastrophen, Staatsoberhäuptern und Friedensbringern einmal mehr die Message des Songs. Michael ist dabei untypischerweise quasi nie zu sehen, mit einer kleinen Ausnahme ab 4:40 min, wo er rot gekleidet in mitten von Kindern steht.

 

Und abgesehen von allen interessanten Sounds, Akkorden und Synkopen ist der Aufruf des Songs in einer von Krisen, Krieg und Armut geschüttelten Welt heute aktueller denn je: „If you wanna make the world a better place, take a look at yourself and then make a change!“.

Kreativität – angeboren oder erlernbar?

Kreativ – jeder Mensch ist es auf eine bestimmte Art und Weise und viele wissen es gar nicht!
Ich bekomme regelmäßig von Schülern das Feedback, dass es ihnen verhältnismäßig leicht fällt, genau das nachzuspielen, was ich ihnen zeige – tricky wird’s für sie dann erst, wenn sie selbst daraus etwas Kreatives erschaffen sollen.

Darum ist heute das Thema „Kreativität“ angesagt. Zu Beginn gleich mal eine ketzerische Aussage: Wer von sich behauptet, er sei nicht kreativ, sucht nur eine Ausrede, nicht kreativ sein zu müssen!

 

Zum einen denke ich, Kreativität ist angeboren. Sprich: Jeder Mensch ist kreativ. Das Wort an sich bedeutet ja, etwas Neues zu kreieren, zu erschaffen. Das klingt ziemlich spektakulär – und ist es auch! Allein wie sich die Menschheit in Wissen, Forschung, Technologie, Medizin uvm. in den letzten 100 Jahren weiterentwickelt hat, haut einen doch jedes Mal aufs Neue vom Hocker. Und das immer dadurch, weil irgendjemand irgendetwas Neues gemacht, erforscht, ausprobiert hat. Das unterscheidet uns von der Tierwelt, die sich vor allem instinktgesteuert verhält. Und sind wir mal ehrlich: Jeder von uns hat schon mal etwas Neues „erschaffen“: ein improvisiertes Kochrezept, Zimmerdeko, stilvoll kombinierte Inneneinrichtung, heimwerkliche „Do it yourselfs“, eine Zeichnung, etwas Gebasteltes, ein Blumengesteck, ein selbstgeschriebenes Gedicht, ein Fotobuch, eine Rede, eine Präsentation, die zündende Geschäftsidee, eine Geschichte… Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Du weißt selbst am besten, in welchem Bereich deine Stärken liegen. Vielleicht würdest du dich in diesem gar nicht als sonderlich „kreativ“ bezeichnen, weil es für dich so natürlich ist – aber mach dir mal bewusst, was da eigentlich in dir steckt!

Dazu kommt, dass wir „kreativ sein“ manchmal auch viel zu hoch definieren. Muss ja nicht immer heißen, dass man das Rad neu erfindet! Auch eine Veränderung, Variation, Abwandlung ist letztlich Kreativität. Oder auch, sich von etwas inspirieren zu lassen und daraus etwas Neues zu entwickeln.

 

Ich bin aber auch überzeugt, dass es nicht nur auf unsere DNA ankommt: Kreativität ist erlernbar. Kein Baby kommt auf die Welt und hat extrem kreative Einfälle. Kreativ zu sein lernt es dann erst in seiner natürlichen Entwicklung, sei es beim Spielen, Basteln, etc. Ich habe z.B. immer gerne mit Lego selbst ausgedachte Sachen gebaut ohne Anleitung. Damals wusste ich gar nicht, dass sich das „kreativ sein“ nennt. Es war ganz einfach die natürlichste Sache der Welt für mich.

 

Also ist Kreativität beides – angeboren und erlernbar. Unsere Kreativität ist oft nur dadurch eingeschränkt, dass wir uns nicht wirklich trauen, kreativ zu sein. Ich wette, du kannst am Klavier kreativ sein – vielleicht weißt du es nur noch nicht! Oder du weißt nicht, wie du an die Sache rangehen musst.

 

Manchmal denke ich, dass ich als Kind bzw. Teenager viel unvoreingenommener an Musik herangegangen bin als heute. Ich hatte einfach Spaß und hab mir keinen großen Kopf gemacht, ob das gerade so „richtig“ ist und allen gefällt. Weil was uns am Kreativsein hindert, sind unsere Hauptängste beim ersten Versuch: Spiele ich das gerade richtig? Klingt es gut? Passt es überhaupt? Und was würde Person xy dazu sagen?

Wenn du es schaffst, dich von diesen Gedanken frei zu machen, wirst du kreativer sein – versprochen!

 

Ich schaue derzeit Tutorials vom weltberühmten Hollywood-Filmkomponisten Hans Zimmer, in denen er Einblick gewährt, wie er arbeitet und – noch wichtiger – wie er denkt. In einer Szene ist auf seinem Keyboard der Sound eines großen Streichorchesters eingestellt und er spielt einfach ein paar Töne nacheinander, um eine simple Melodie zu entwickeln. Und was sagt er dabei wortwörtlich? Er ließe einfach seine Hand auf die Tastatur gleiten und wolle schauen, was dabei herauskomme. Ein super Ansatzpunkt! Einfach mal trauen, einige Töne zu spielen und sich selbst dabei zuhören. Und schon hast du eine kleine Melodie! Die könnte z.B. der Ausgangspunkt für ein neues Lick oder Ostinato (eine sich wiederholende Figur) sein.

2. Beispiel: Ich war letztens mit einer Band einige Tage im Proberaum, um Unplugged-Versionen von Songs zu arrangieren (also sie so umzuwandeln, dass sie nur mit akustischen Instrumenten gespielt werden können). Dafür haben wir probiert, uns von sämtlichen Originalversionen zu „trennen“, um völlig neue akustische Arrangements zu basteln. Das funktioniert so, dass einer aus der Runde eine Idee in den Raum wirft, die den Nächsten zu einer weiteren inspiriert und langsam setzt sich etwas Neues zusammen. Manchmal merkt man auch nach 3 Stunden, dass das Ganze ein Irrweg war und beginnt von vorne…

Und wieder mal habe ich festgestellt, dass ich die meisten Ideen durchs „Rumprobieren“ bekomme. Oder der Gitarrist schlägt etwas vor und mir fällt sofort dazu ein, dass man den 2. Ton durch einen anderen ersetzen sollte o.ä. Das Stichwort dabei: wirklich alles ausprobieren. Sich trauen kreativ zu sein.

 

Was ich in den Tagen mal wieder neu gemerkt habe: Wie spannend und letztlich befriedigend es ist, kreativ sein zu dürfen.

 

Was heißt das jetzt alles konkret für dich? Trau dich, kreativ zu sein! Denn die Kreativität an sich ist schon in dir drin – und falls sie am Piano noch nicht genügend entwickelt ist, kannst du das lernen! Und der schnellste Weg dazu ist es nicht, nur Dinge nachzuspielen, sondern ganz einfach auszuprobieren, sich von Sachen inspirieren zu lassen und diese zu verändern. Auch wenn die ersten Ergebnisse vielleicht noch nicht so brillant klingen.

Ich bin im Proberaum letztens auch öfters ratlos am Klavier gesessen und fühlte mich völlig ideenlos. Aber irgendwann kam dann wieder eine um die Ecke. Oder ein Tipp von einem Bandmitglied hat sich als zündender Trick entpuppt, der mich weitergebracht hat. Oder ich hab mich mal verspielt, aber das hat mich auf die passende Idee gebracht. Das ist übrigens sowieso immer ein geiler Trick: durch Verspieler auf etwas Neues kommen. Das passiert aber nur, wenn du dich traust, dich auch zu verspielen ;). So keep going!

Selbstmotivation – Dranbleiben – Ausdauer – Ziele

Als wir vor kurzem mit Wincent Weiss auf einer Charity-Veranstaltung von Dirk Nowitzki gespielt haben, stand abends keine wilde Aftershow Party auf dem Programm – um mal ein paar Musiker-Klischees auszuräumen ;). Stattdessen hab ich mir im Hotelzimmer spontan seinen Dokumentarfilm „Der perfekte Wurf“ angesehen. Mein Fazit: Ein krasser Kämpfertyp! Irgendwann in dem Film sagt er, nur 10-20% seien Talent und Glück, der ganze Rest harte Arbeit. Erfolg würde niemandem in den Schoß gelegt.

Albert Einstein formulierte es noch drastischer: „Genie ist 1% Talent und 99% harte Arbeit“. Und auch der Volksmund weiß Bescheid: Da heißt es „Von nichts kommt nichts“. Oder auch „ohne Fleiß kein Preis“.

Dass alles im Leben mit „Dranbleiben“ zu tun hat, ist uns allen (zumindest in der Theorie) bewusst. Aber dranbleiben geht Hand in Hand mit Selbstdisziplin. Und deshalb die Frage: Wie schaffe ich es, mich immer wieder neu dazu zu motivieren?

Ich habe kürzlich mal darüber nachgedacht, wie das bei mir früher so war und heute ist: Musik war irgendwie schon immer meine große Leidenschaft. Als Kind wollte ich Toningenieur werden, nachdem ich als Erstklässler im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg stand – ich fand einfach all die Knöpfe und Drehregler ultra faszinierend, mit denen man so einen tollen Sound machen konnte. Irgendwann danach hab ich dann beschlossen, dass selber Musik machen doch noch spannender ist und so stand spätestens mit 15 mein Berufswunsch fest: Ich werde Pianist & Keyboarder. Sprich: Ein guter Musiker zu werden war immer ein brennender Wunsch in mir! Soll nicht heißen, dass ich immer der Fleißigste beim Üben war ;). Aber der Wille, die Begeisterung & Faszination waren permanent vorhanden! Musik ist für mich einfach das Interessanteste und Spannendste der Welt.

Ich habe schon immer viel Musik gehört und dabei besonders auf den Pianisten / Keyboarder geachtet. Was spielt er / sie genau und wie kann ich das nachmachen? Ich erinnere mich noch an so manchen verzweifelten „Raushör-Versuch“, bei dem es mir es einfach nicht gelingen wollte, zu entschlüsseln, was ich da genau hörte. Aber das wurde mit der Zeit immer besser. Dranbleiben hieß die Devise.

Mein ständiges Hauptziel: Es sollte grooven! Ich wollte immer selbst beim Spielen das Gefühl haben, sprichwörtlich „rhythmisch ansteckend“ zu spielen. Das fand ich schon als Zehnjähriger bei anderen Keyboardern immer total geil.

 

Man kann also nicht sagen, ich hatte DAS eine Ziel. Es waren eher immer so Teilziele, die ich probiert habe, jedes Mal wieder neu zu knacken. Eine neue Akkordverbindung, ein neuer Groove, mehr Speed und Präzision bei irgendwelchen Läufen, ein besseres Solo über einen Song spielen. Oder als Keyboarder den Sound xy möglichst detailgetreu nachprogrammieren.

Es hat mich nie groß Überwindung gekostet, mich ans Klavier zu setzen. Das war meine Standardentspannung nach der Schule. Heimkommen, Mittag essen und dann ne Runde ans Piano. Da hab ich dann gar nicht groß gezielt geübt, sondern einfach gespielt. Was ausprobiert, verändert und Spaß gehabt. Außerdem habe ich regelmäßig weiterbringende Impulse durch Lehrer und Freunde bekommen. Heutzutage gibt’s diese Tricks ja glücklicherweise für alle zugänglich in Tutorialform ;).

 

Klassik habe ich gezielter geübt. Da wusste ich auch meistens genau, was ich üben muss. Nämlich die Passagen im Stück, die ich nicht konnte. Aber auf Klassiküben hatte ich nie so viel Bock wie auf Poppiano :). Drum bin ich auch nicht klassischer Pianist geworden.

Viel Klassik geübt habe ich vor allem vor irgendwelchen Vorspielen oder Jugend-musiziert-Wettbewerben. Und das tat immer gut. Also mal zeitlich deutlich intensiver als sonst an einer Sache dranbleiben. Damit kommst du nämlich viel schneller viel weiter, als wenn du nur 1x die Woche (meistens kurz vor der nächsten Klavierstunde, wer kennt es nicht? ;)) eine Gewaltaktion hinlegst und bis zur nächsten Woche die Hälfte wieder vergessen hast. Darüber hab ich ja mal vor ein paar Wochen in meinem Blogpost „The Power of Repetition“ geschrieben.

 

Heute mit vollem Terminkalender komme ich leider tatsächlich weniger zum „einfach so Klavierüben“ wie früher. Da geht es oft mehr um neue Songs lernen, Arrangements checken, Sounds programmieren. Nichtsdestotrotz ist der Wunsch, immer weiter zu kommen, nach wie vor da. Aber das kennst du vielleicht von deinem eigenen Beruf: je mehr du dich in einem Thema auskennst, umso mehr weißt du auch, was du alles nicht weißt und wie hoch der Himmel hängt. Das ist auch immer wieder mal äußerst frustrierend und niederschmetternd. Während meines Jazzpiano-Studiums gab es z.B. öfters Momente, wo ich mir dachte, ich sollte es einfach lassen… Aber diese Selbstzweifel kennt wohl auch jeder Musiker.

Trotzdem liegt die Entscheidung, wie du damit umgehst, immer bei dir: Stell dir vor, du hörst jemanden spielen, sei es in einem Konzert oder auf Aufnahme. Jetzt hast du genau zwei Möglichkeiten: Entweder du denkst dir frustriert: „Das schaff ich doch nie“. Oder, Nummer zwei: Du wählst den Weg, der dich pusht, inspiriert, anspornt und sagst – krass, das will ich auch können!

 

Die meisten unter euch haben wahrscheinlich nicht das Ziel Berufsmusiker zu werden, aber du willst in irgendeiner Form weiterkommen, sonst hättest du dir diesen Blog gar nicht bis hierhin durchgelesen.

Daher überlege dir doch mal in einer ruhigen Minute, warum du weiterkommen willst und was deine Ziele sind. Weltbester Pianist aller Zeiten zu werden ist vermutlich etwas hochgegriffen, aber es könnte z.B. sein, deine Lieblingssongs in Zukunft selbst raushören und spielen zu können. Oder beim nächsten Geburtstag / Weihnachten mit der Family Lieder schön frei zu begleiten, so dass alle mitsingen können.

Dann schreib dir genau diese Ziele auf! Man vergisst sie leicht im Alltagsstress und im Nachhinein ist man unzufrieden, nicht, weil man etwas nicht erreicht hat, sondern weil man vergessen hat, was genau man erreichen wollte. Ziellos erreicht man genau dieses Ziel – nämlich „nichts“.

 

Und dann – bleib dran! Nichts geht von heut auf morgen. Ich höre immer wieder: „Bei dir sieht das alles so leicht aus – wenn ich das probiere, klingt das nicht so.“. Das ist die Kunst dahinter: Etwas Simples trotzdem gut klingen zu lassen. Das kommt aber erst mit der Zeit.

Drum: Egal, ob du gerade erst bei deinen ersten Gehversuchen im Bereich Poppiano bist oder das Ganze schon eine Weile machst: Gib nicht auf, bleib dran! Vieles braucht seine Zeit und nach einer Weile klappt es dann, ganz plötzlich, wenn du es am wenigsten erwartest. Ein Kind, das laufen lernen möchte, gibt nie auf, egal wie oft es hinfällt! Suche dir Vorbilder. Höre dir Musik an, die dich kickt und inspiriert. Geh auf Konzerte. Schau dir Tutorials an und probiere es sofort am Klavier aus. Und das Allerwichtigste: Bleib begeistert!

 

Auswendig spielen – warum es sinnvoll ist & wie du es lernst!

Auswendig spielen: Mancher macht’s ganz automatisch, für andere ist es ein scheinbar unüberwindbares Hindernis. Erstmal die gute Nachricht: Auswendig spielen kannst du lernen! Wenn das für dich bislang ein Mysterium war – les weiter!

Meiner persönlichen Erfahrung nach spiele ich Songs tatsächlich besser, wenn ich sie auswendig spiele und keine Noten oder Leadsheets vor mir habe. (Leadsheets sind eine vereinfachte Schreibweise, bei denen nur die Melodie mit Akkordsymbolen oder sogar nur die Akkordabfolge eines Songs notiert sind.) Warum das so ist? Ganz einfach, dadurch muss ich nicht mehr das „Scannen“ und Spielen gleichzeitig unter einen Hut bringen. Denn genau das passiert ja mit Noten. Du liest quasi, was du als nächstes spielen sollst und dein Gehirn gibt dann die jeweilige Information an deine Finger weiter, die sie ausführen. Wenn dieses Scanning wegfällt, spielst du mehr aus dem Bauch heraus. Also automatischer. Und dadurch kannst du dich mehr darauf fokussieren, WIE du etwas spielst, wie der Songverlauf ist und letztlich auch, was deine Mitmusiker so machen (wenn du in einer Band spielst). Ganz abgesehen davon sieht es auch einfach besser aus!

 

Und wie kannst du jetzt lernen auswendig zu spielen?

Strategie Nr. 1: Du spielst den Song so oft, bis du ihn auswendig kannst.

Vorteil: Geht nach gewisser Zeit von ganz alleine.

Nachteil: Dauert zu lange ;)

 

Strategie Nr. 2: Du probierst bewusst, den Song auswendig zu lernen. Ähnlich wie ein Gedicht. Also stückweise einprägen, wiederholen und schnell die Noten / das Leadsheet weglegen und probieren, wie weit du kommst. Dann bewusst deine Fehlerstellen checken und auswendig lernen.

Vorteil: Geht schneller als Nr. 1

Nachteil: Ist aber mühevoller

 

Strategie Nr. 3: Du verstehst, WAS du da genau spielst und WARUM du es spielst. Stell dir vor, du müsstest einen chinesischen Text auswendig lernen (und ich gehe jetzt davon aus, dass du ebenso gut Chinesisch sprichst wie ich ;)), dann wird das Ganze einem Chinesen vergleichsweise einfach fallen, weil er den Text versteht und sich allein schon mal am roten Faden entlang hangeln kann. Jetzt kommt der Trick: Diesen roten Faden gibt’s auch in der Musik!

 

Ich erlebe immer wieder, wie Klavierspieler sprichwörtlich am Leadsheet „kleben“ und den Song nicht auswendig können, selbst wenn sie ihn schon zigmal gespielt haben. Und oft besteht dieser Song nur aus max. einer Handvoll Akkorden. Sieht z.B. so aus:

Vers: ||: C   | F   | Am   | G   :||

Chorus: ||: F   | C   | G   | Dm   :||

Fünf Akkorde, jeweils in verschiedener Reihenfolge. Jetzt kannst du Strategie Nr. 1 anwenden und ihn sehr oft wiederholen. Oder mit Nr. 2 bewusst probieren, dir die Akkordfolge einzuprägen. Aber wie funktioniert jetzt Nr. 3?

 

Ich sehe Akkorde wie Bausteine, die ich in gewisser Reihenfolge aneinandersetze. So wie früher mit LEGO-Steinen, die ich als Kind geliebt habe! Einen blauen, einen roten, dann einen kurzen gelben usw. Und dann merke ich mir das Verhältnis, in dem die Akkorde zueinander stehen, also die Stufen. Wenn ich in C-Dur bin (wie beim Beispiel oben), wäre C meine 1. Stufe, Dm meine 2., Em meine 3., F meine 4. usw. Also einfach die C-Dur-Tonleiter durchgezählt. Dann könnte ich mir die Verbindung auch in Stufen (die übrigens in römischen Ziffern geschrieben werden) merken:

Vers: ||: I   | IV   | VIm   | V   :||

Chorus: ||: IV   | I   | V   | IIm   :||

Und wenn die Stufen (oder Akkorde) nun langsam für dich keine „chinesischen Zeichen“ mehr sind, sondern plötzlich einen Zusammenhang haben, lernst du alles viel leichter auswendig!

Das Theoriewissen dahinter ist gar nicht so schwer! Das Wichtigste ist die Kadenz:

I   IV   V   I

C   F   G   C

Wenn dir das schon mal klar ist, weißt du, wie sämtliche Dur-Akkorde zueinander stehen. Sie machen also jetzt mehr Sinn. Außerdem hat jeder Dur-Akkord einen parallelen Moll-Akkord, der 1,5 Ganztöne (oder kleine Terz genannt) darunter liegt. Konkret:

C → Am

F → Dm

G → Em

 

Mit diesen sechs Akkorden funktionieren die meisten Popsongs.

 

Und wenn du jetzt mehr mit diesem Hintergrundwissen spielst, wirst du dir mit der Zeit automatisch den Sound verschiedener Akkordverbindungen einprägen. Wie klingt z.B. C  F, oder wie Am  Dm etc.? Probier’s doch einfach mal aus; dann machen die verschiedenen Verbindungen noch mehr musikalischen Sinn für dich.

Das sind so einige Tools, die mir helfen, besser und schneller auswendig zu spielen. Und dann ist es wahrscheinlich auch Gewohnheitssache. Mir persönlich fällt es tatsächlich viel leichter, Akkordabfolgen auswendig zu merken als Liedtexte. Daher bin ich wohl kein Sänger geworden ;)

 

Wenn du die oben erklärte Theorie ausführlicher haben willst, schau dir doch mal mein Harmony 101-Video an.

Ansonsten viel Spaß beim auswendig spielen!

In der Live Session #6 für Abonnenten vom 26.06.17 ging es nochmal ausführlicher genau um dieses Thema, als All-Access-Abonnent kannst du die Aufzeichnung im Live Session Archiv nachträglich anschauen.

Warum Timing so wichtig ist

Heute soll es mal ums Thema „Timing“ gehen. Falls dir dieser Anglizismus (wie so viele in der modernen Musik) noch nicht geläufig sein sollte:

„Mit Timing bezeichnet man in der musikalischen Praxis die Fähigkeit eines Musikers, den Takt zu halten, im Rhythmus zu spielen, die Töne des Musikstückes jeweils genau zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Zeitwert zu spielen.“

So sagt es Wikipedia und trifft es ganz gut. Also kurz und knapp: Wie gut kannst du im Takt bleiben.

 

Ich vergleiche Musik immer wieder gerne mit einer Sprache. Dabei sind das Timing und die Phrasierung (also wie lang / kurz, betont / unbetont etc. du Töne spielst) quasi der „Sound“ der Sprache. Und alle Töne, Akkorde, Licks etc. die Vokabeln.

Jetzt nehmen wir mal an, Person 1 kennt 10.000 italienische Wörter inkl. Fachvokabular, trifft aber den italienischen „Sound“ nicht so wirklich. Sprich es hapert an der Aussprache, die Sprachmelodie fehlt und irgendwie klingt das Ganze gar nicht so wirklich nach Italienisch. Im Gegenzug dazu Person 2, die einen viel kleineren Wortschatz besitzt, aber deutlich mehr die italienische Art und Weise trifft. Im Optimalfall sogar noch mit der Gestik dazu ;).

Ich wette, jeder Italiener würde behaupten, dass Person 2 besser italienisch spricht, obwohl Person 1 deutlich mehr Wörter beherrscht!

 

Auf was ich hinaus möchte: Es kommt weniger darauf an, WAS du spielst, sondern WIE du es spielst! Für dich natürlich ein großer Vorteil: Du musst gar nicht 1000 Akkorde, Licks, Tricks, Phrasen etc. beherrschen, um geil Poppiano spielen zu können. Aber du musst das, was du spielst, im richtigen Timing spielen.

 

Das ist ein essentieller Schlüssel, den die meisten oft vergessen!

 

Ich erlebe in Unterrichtsstunden oder Workshops regelmäßig, dass ich von den Noten her das Gleiche spiele wie meine Schüler, aber er oder sie sofort innehalten und sagen: „Bei dir klingt das aber viel besser!“. Und das liegt dann eben daran, WIE ich es spiele, weil das WAS ist ja bei beiden gleich.

 

Langer Rede kurzer Sinn: Wie bekommst du jetzt ein besseres Timing? Ganz einfach: Indem das Metronom dein bester Freund wird! :) Gibt`s z.B. auch als kostenlose Apps für dein Handy.

Im Ernst, alle guten Musiker üben regelmäßig mit Metronom oder zu Drumgrooves, um ihr eigenes Time-Empfinden immer mehr zu präzisieren. Also niemand kommt auf die Welt und hat ein niet- und nagelfestes Timing. Umso mehr du also mit Metronom übst, desto mehr verinnerlichst du dein Gespür für das richtige Timing und kannst dann auch ohne Metronom viel präziser spielen. So, als hättest du ein eingebautes Metronom im Bauch.

 

Nächster Trick: Nimm dich beim Spielen (mit Metronom) auf und höre es dir danach an. Das kannst du z.B. einfach mit deinem Handy und einer Sprachrecorder-App machen. Oder natürlich auch mit dem Computer. Für alle Mac-User: Schon mal die kostenlose Software Garage Band ausprobiert?

Für den PC gibt`s z.B. Audacity (ebenso kostenlos). Der Vorteil von dem Ganzen ist, dass du dich im Nachhinein viel genauer hören und analysieren kannst, als wenn du dich immer nur beim Spielen gleichzeitig hörst. Und dann merkst du viel exakter, wie genau du zum Metronom gespielt hast – oder auch nicht. Das kann auch mal ganz schön frustrierend sein (glaub mir, ich weiß, wovon ich rede…), aber wird dich ordentlich weiter bringen.

 

Letzter Trick: Wenn dir das einfache Metronom zu langweilig ist, spiele doch zu Drumloops. Also aufgenommene Schlagzeugphrasen, bei denen automatisch viel mehr Band-Feeling aufkommt. Manche Digitalpianos haben solche als eine Art erweitertes Metronom eingebaut, oder du gehst einfach auf Youtube, gibst „Drumloop“ und eine Tempoangabe ein und landest z.B. hier.

 

Wie sich das in der Praxis anfühlt und was du sonst noch so alles mit dem Metronom anstellen kannst – darum ging es in unserer  5. Live Session, als All-Access-Abonnent kannst du dir die Aufzeichnung auch einfach im Nachhinein anschauen.

Wie lernst du richtig Poppiano spielen?

Diese Frage beschäftigt mich immer wieder! Ich bemerke häufig bei Schülern, Workshops oder auch bei Feedbacks hier auf Piano-Revolution, dass es ein großer Unterschied ist, ob du den Lerninhalt eines Videos zwar verstehst und nachvollziehen kannst, oder ob du ihn dann auch praktisch am Klavier umsetzen kannst.

Bzw. du kannst den einen Trick, den einen Lick nachspielen, aber es wird dir letztlich nichts bringen, wenn du ihn nicht in dein normales Klavierspiel integrieren kannst.

Kommt dir diese Situation bekannt vor?

Wie lernst du nun also „richtig“ Poppiano spielen? Gibt es den besonderen Trick, den einen Weg? Vermutlich nicht. Viele Wege führen hier nach Rom. Aber einige Prinzipien können dir dabei helfen.
Ich erzähle dir mal, wie es bei mir war: Ich habe mit 5 Jahren mit klassischem Klavierunterricht begonnen, aber das tägliche Üben war nicht so wirklich mein Ding. Ich kam damals auch eher langsam voran und meine Mum musste mich mehr ans Klavier zerren, als dass ich freiwillig gespielt hätte.

Die Kehrtwende kam, als uns drei Jahre später an Silvester Freunde meiner Eltern besuchten und mir der ein paar Jahre ältere Sohn einige Griffe auf der Gitarre zeigte. Das war meine persönliche musikalische Initialzündung!

Mit den vier Akkorden konnte ich sofort einige Songs spielen und mit dem passenden Rhythmus dazu klang es gleich super! Auch wenn ich kein großer Gitarrist wurde, waren diese paar Gitarrenakkorde doch für mich der eigentliche Startschuss meiner musikalischen Reise.

Kurz danach begann ich nämlich die Akkorde aufs Klavier zu übertragen. Dazu habe ich einfach Ton für Ton verglichen, bis ich die Griffe am Piano hatte. Warum ich das gemacht habe, weiß ich gar nicht mehr. Intrinsische Motivation wahrscheinlich;)

Und ab dann war ich nicht mehr vom Klavier wegzukriegen. Auf Klassik hatte ich zwar nach wie vor noch keine Lust, aber das war ganz egal – ich hatte ja das freie Klavierspiel nach Akkorden für mich entdeckt!

 

Jetzt fragst du dich bestimmt, warum ich dir das alles erzähle. Wenn du zwischen den Zeilen gelesen hast, sind die bestimmt schon zwei wichtige Schlüssel aufgefallen: Begeisterung und intrinsische Motivation. Was war zuerst da? Das ist wohl wie die berühmte Henne – Ei – Frage. Und eigentlich auch ganz egal. Gehört beides irgendwie untrennbar zusammen.

Tatsächlich war und ist Klavierspielen für mich wie eine Entdeckungsreise. Die Neugierde treibt mich immer weiter.

Dazu ist ganz wichtig, dass du verstehst, dass viele Tools, die ich nutze, sich ständig wiederholen. Vielleicht in leicht abgewandelter Form, aber herunter gebrochen letztlich immer wieder gleich. Sprich du brauchst gar nicht 1000 verschiedene Akkorde, Licks und Tricks kennen, um kreativ und abwechslungsreich Poppiano spielen zu können! Du musst es nur schaffen, die Tools, die du bereits zur Verfügung hast, in verschiedenem Kontext kreativ anzuwenden.

 

Mir hat vor allem Ausprobieren geholfen. Wenn du dich immer wieder traust Neues auszuprobieren und deine Komfortzone (also alles Bekannte) zu verlassen, wirst du ganz automatisch auf neue Variationen, Verbindungen und Sounds stoßen

Dabei ist wichtig, dass du keine Angst vor Fehlern hast! Ich habe vermutlich das Meiste durch Fehler gelernt. Weil schließlich wusste ich dann schon mal, was NICHT gut klingt. ;) Im Ernst, wenn du ein Gefühl bekommen willst, welche Akkorde wann gut passen, welche Rhythmen wie gut funktionieren und wann du am besten welches Lick anwendest, führt (leider) kein Weg am Fehler machen vorbei! Ein Kind lernt deshalb laufen, weil es hunderte Male hingefallen ist. Und: du wirst nie lernen keine Fehler mehr zu machen, stattdessen solltest du trainieren, wie du am besten mit Fehlern bzw. Verspielern umgehst. Kleiner Trick dazu: neben jedem falschen Ton liegt direkt wieder ein Richtiger! Probiers mal aus!

Piano-Revolution als (Web-)App nutzen

Piano-Revolution auf Tablet & Handy als Web-App mit eigenem Launchsymbol nutzen

Du kannst Piano-Revolution jetzt komfortabel wie eine App mit eigenem Launchsymbol auf deinem Smartphone & Tablet nutzen!

Anleitung für iOS (iPhone & iPad):

1. In Safari www.piano-revolution.de öffnen
2. Teilen Icon in der Toolbar tappen


3. in der unteren Leiste “Zum Homebildschirm” wählen.

 

Anleitung für Android:

1. In Chrome www.piano-revolution.de öffnen
2. Rechts oben auf die drei Punkte (Eigenschaften)
3. Im Menü “Zum Startbildschirm hinzufügen” wählen

The Power of Repetition

…oder warum 6 x 10min > 60min sind!

Bestimmt kennst du das Problem: Du willst besser am Klavier werden und nicht immer nur das Gleiche spielen, aber dein Tag ist mit 24h einfach zu kurz? Dann packt dich ab und zu der Ehrgeiz und du verbringst mal wieder eine Stunde (oder länger?) am Piano, hast Spaß, entdeckst etwas Neues und nimmst dir dieses Mal wirklich vor, dass bis zur nächsten Übe-Session nicht wieder zu viel Zeit verstreicht? Und wenn dann ein paar Wochen ins Land gegangen sind, ist es leider schon wieder dahin mit dem gefühlten Fortschritt vom letzten Mal…

Dieses Phänomen kennt wohl jeder von uns in unterschiedlichsten Lebensbereichen. Leider kann ich deinen Tag nicht verlängern, aber ich habe heute einen Trick für dich, wie du diesem Problem Herr werden kannst:

Unser Hauptproblem beim Poppiano spielen ist ja wie gesagt, dass wir alle immer gern das Gleiche spielen – nämlich das, was wir sowieso schon können! Sich etwas Neues anzueignen scheint zu mühevoll, langwierig und kompliziert. Und traurig, aber wahr: Du wirst es tatsächlich nicht schaffen, wenn du nur 1x pro Woche oder seltener am Klavier sitzt. Weil selbst wenn du dabei etwas cooles Neues entdeckst und übst, ist es nach einiger Zeit auch schon vergessen und du steckst wieder in deiner alten Routine fest. Oder du brauchst die nächste Stunde nur dafür, um das Alte zu wiederholen – und das ist genau die Zeit, in der sich die Hauptmotivation schon wieder langsam verabschiedet.

Wie dem auch sei – hier kommt eine interessante Gleichung ins Spiel: 6 x 10min > 60min

Mathematisch eindeutig eine Falschaussage, aber am Klavier macht sie Sinn! Ich erkläre sie dir:

Wenn du es schaffst, jeden Tag 10min Klavier zu spielen, hast du zwar nach einer Woche auch „nur“ eine Stunde geübt – einen Tag darfst du Pause machen ;) – wirst aber deutlich weiter kommen! Warum? Weil der Clou in der täglichen Wiederholung steckt! Fakt ist: Um etwas Neues zu lernen, braucht der Mensch regelmäßige Wiederholung. Du hast Laufen bestimmt nicht an einem Tag gelernt, geschweige denn Reden, Lesen, Schreiben etc.! Aber durch viele kurze Wiederholungen und dem hartnäckigen Willen, es durchzuziehen, können wir alle mittlerweile reden, lesen und schreiben.

Wie wäre es also mit folgendem Experiment: Du nimmst dir EIN Video vor und suchst dir davon irgendeine Sache heraus, die du bisher noch nicht konntest. Die übst du dann mal 2 Wochen lang jeden Tag 10min und berichtest mir dann, wie weit du gekommen bist! Der neue Akkord, Groove, das neue Lick etc. soll ja letztlich wie Grundwissen für dich werden, das du in verschiedensten Situationen ohne Nachdenken anwenden kannst. Nur dann bist du wirklich weiter gekommen und hast deine Komfortzone durchbrochen – nämlich die Angewohnheit, immer in gleichen Mustern festzustecken.

Jetzt sagst du, du hast keine 10min Zeit pro Tag? Sei es Stress auf der Arbeit, Klausurenzeit oder einer dieser Tage, die gefühlt nicht so lang sind wie die To-Do-Liste… Dann habe ich noch einen Trick für dich: Wie wäre es, diese 10min auf 3x 3-4min aufzuteilen? Also gerade mal so lange wie Zähneputzen! Das machen wir ja auch (hoffentlich!), ohne uns über den Zeitaufwand Gedanken zu machen.

Du könntest z.B. morgens zwischen Duschen und Frühstück kurz am Piano vorbei gehen und die vorgenommene neue Sache ein paar Mal spielen. Das Gleiche machst du dann abends nach dem Abendessen und vor dem ins Bett gehen noch einmal. Und schon hast du dein tägliches zehnminütiges Tagespensum erreicht! Durch die ständige kurze Wiederholung wird es dir bald in Fleisch und Blut übergehen und du wirst sehen: In ein paar Wochen bist du tatsächlich weiter gekommen. Und das bei insgesamt gleichem zeitlichen Aufwand wie einmal pro Woche eine Stunde zu üben!

Ich persönlich habe oft die Erfahrung gemacht, dass ich mit kurzem aber fokussiertem zeitlichen Commitment deutlich weiter komme, als mich ständig wieder neu in eine Sache einzuarbeiten. Und vielleicht werden aus den 10min am Tag auch 20 oder mehr?! Ich würde sagen, da gäbe es schlimmeres ;)

In diesem Sinne: Probier`s aus! Ich freue mich, von deinen Erfahrungen zu hören! Und das meine ich tatsächlich ernst. Kommentare bzw. Email-Antworten sind ausdrücklich erwünscht ;)

Dein Manu

Launch!

Jetzt ist es endlich soweit – Piano-Revolution ist fertig und gelaunched! Nach vielen Monaten intensiver Konzeption und Ausarbeitung, der Videodrehs und Nachbearbeitung und jede Menge Nächte am Bau der Homepage geht’s jetzt endlich los – und du bist (wie’s scheint) mittendrin! Oben siehst du, wie unsere Launch-Party aussah (naja, fast zumindest) – und jetzt sind wir natürlich darauf gespannt, was du zu allem sagst.

Du als Teil der Piano-Revolution Community bist uns wichtig und beeinflusst, wie es mit uns und unseren Inhalten weitergeht – was dir gut gefällt, werden wir weiterentwickeln, was fehlt, wird schnell nachgefilmt und hochgeladen und was überflüssig, naja – das gibt’s erst gar nicht!

Schreib uns in den Kommentaren, auf Facebook oder per Mail (manu@piano-revolution.de) deine Meinung und Wünsche für die Zukunft und revolutionier dein Klavierspiel mit uns im Jahr 2017!

Manu & Joerka