Die Top 5 Probleme beim Klavierspielen

Die Top 5 Probleme beim Klavierspielen

 1. Problem: Zeit

Der Klassiker. Und die Antwort, die ich am meisten auf die Frage höre, warum jemand weniger Piano spielt, meine Tutorials nicht mehr abonniert oder das Klavierspielen ganz sein lässt.
Einerseits völlig verständlich, andererseits möchte ich mal eine ketzerische Aussage treffen:
Du nimmst dir immer Zeit für das, was dir wichtig ist!
Ich erinnere mich noch gut daran, als ich meine damalige Freundin und jetzige Frau kennengelernt habe. Auf einmal hatte ich jeden Tag Zeit mich abends mit ihr zu treffen, obwohl mir davor auch nie langweilig war! Da hat sich meine Prioritätenliste einfach schlagartig verändert ;)
Ich will damit nicht sagen, dass das Klavier die Prio einer Beziehung einnehmen sollte, aber ich merke andererseits häufig, wie viel Zeit ich persönlich regelmäßig im Internet oder am Handy „verschwende“ und mir danach denke, dass ich in dieser Zeit auch etwas Sinnvolleres hätte tun können.

Die gute Nachricht dabei: Du musst gar nicht stundenlang am Klavier sitzen, um weiterzukommen! Selbst wenn du täglich nur 10 Minuten an den Tasten verbringst, wirst du von alleine besser werden. Denn wer regelmäßig (wenn auch nur kurz) eine gewisse Tätigkeit ausübt, bekommt automatisch Routine, Geläufigkeit, Ausdauer und neue Ideen. The Power of Repetitionmehr dazu in diesem Blogpost.

2. Problem: Konkreter Leitfaden

Du sitzt zwar gern am Klavier, hast aber den Eindruck, immer wieder das Gleiche zu spielen und nicht wirklich voranzukommen? Kenn ich – kennt vermutlich jeder. Aber wie kommst du aus diesem Hamsterrad heraus?

Du brauchst einen konkreten Leitfaden, was du üben sollst, wohin die musikalische Reise gehen soll und was deine Schwächen sind, an denen du arbeiten solltest. Zumindest bei den ersten beiden Punkten können dir die Tutorials hier auf der Seite eine gute Hilfe sein.

Neben den gern gesehenen „How to play Song xy“-Videos habe ich auch jede Menge Tipps & Tricks für die unterschiedlichsten Themen für dich, die du dann wiederum auf verschiedenste Songs anwenden kannst. Somit kannst du konkret in ein bestimmtes Topic eintauchen und deine Skills darin verbessern. Und dann höre genau hin: Wie klingt´s bei dir, was klingt bei mir vielleicht noch anders und wie kannst du dem nacheifern? Denn wie so oft machen genau die kleinen Details den letzten Unterschied zwischen langweilig und groovy aus.

Selbst wenn du denkst, Thema xy kannst du bereits: Ich habe mir schon häufig aus einem Tutorial oder einem Artikel eine wichtige Anregung bzw. ein Aha-Erlebnis mitgenommen, das mich weitergebracht hat, selbst wenn ich grundsätzlich vieles dazu schon wusste.

3. Problem: Wissen vs. Können

Ein weiterer wichtiger Punkt: Nur weil du weißt, wie man etwas spielt oder spielen soll, heißt das noch lange nicht, dass du es auch spielen kannst!
Ich bemerke regelmäßig, dass Klavierbegeisterte sich zwar theoretisch gut auskennen, es aber an der praktischen Umsetzung hapert.
Daher ist mein Ansatzpunkt: Du musst nicht alles verstehen, was du spielst – wenn’s gut klingt, klingt’s gut!

Lieber mal was ausprobieren und erst im Nachhinein kapieren, was du da machst, als alles komplett theoretisch durchdringen wollen, bevor du es überhaupt spielen kannst. Mir sind da Kinder immer ein Vorbild: Die machen einfach, ohne groß Gedanken daran zu verschwenden, ob das gerade „richtig“ ist, was sie tun. Bauchgefühl statt Kopfzerbrechen – just do it!

4. Problem: Konstruktive Korrektur

Ein weiteres Problem am Piano. Du spielst vielleicht schon seit Jahr und Tag eine bestimmte Sache falsch, aber es hat dich noch nie jemand darauf aufmerksam gemacht?! Ein perfektes Beispiel hierfür wäre das Pedal.
Ich habe schon reihenweise Pianisten gehört, die durch falschen Pedaleinsatz ihre ansonsten guten musikalischen Fähigkeiten am Klavier geschmälert haben und frage mich dann immer wieder: Wie kann es sein, dass jemand so gut Piano spielt, aber das doch eigentlich so grundlegende Thema „Pedal“ nie richtig gelernt hat? (Dazu gibt’s übrigens auch ein Video)

Doch dazu braucht es eben voranbringende und motivierende Korrektur. Und wie oft höre ich auch die Story des im Teeniealter verhassten Klavierlehrers, der vielleicht hätte korrigieren können, es aber auf vernichtende und unmotivierte Art und Weise gemacht hat…
Für das persönliche Feedback ist ein Lehrer oder Freunde, die musikalisch weiter sind, unerlässlich – das kann kein Tutorial bieten.
Aber wir haben schon Ideen, wie wir dir da trotzdem behilflich sein können. Dazu wird es bald News geben!

5. Problem: Geduld

Last but noch least: Sei geduldig mit dir selbst. Wie sagt der Volksmund schon so schön: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Oder auch: Es bedarf 10.000 Stunden, um ein Gebiet wirklich zu meistern.
Ich selbst war und bin oft ungeduldig mit mir. Frage mich, warum ich dies und jenes noch nicht besser spielen kann und weshalb sich manches noch nicht dahin entwickelt hat, wie ich es mir wünschen würde.
Aber da ist vermutlich das ausdauernde Dranbleiben das Geheimnis. Siehe Punkt 1 – jeden Tag 10 Minuten am Klavier. Und auf einmal hast du’s in den Fingern, selbst wenn du schon gar nicht mehr darüber nachgedacht hast.

Was sind deine Hauptprobleme am Klavier? Ich freu mich über deinen Kommentar!

7 Kommentare
  1. Iiflaet says:

    Ich bin auf folgende Lösung des Zeit-Problems gekommen:

    Das Klaviertraining (Klavier spielen hört sich doch nicht ernsthaft an … :-)) setze ich an den Anfang des Tages. Und dabei bin ich ganz und gar kein Morgenmensch, sprich ‘Lerche’! Aber ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht wie sie Saxophonistin oben beschreibt und mal analysiert, wo eigentlich die Zeit des Tages oft bleibt. Da gibt es eine Menge sinnvoller Dinge, viele mittelmäßige Aktivitäten und dann gibt es da auch noch Zeitausgaben, bei denen es sich lohnt sie aufzuwerten.

    Z.B.: muss manches Gespräch oder Treffchen mit Freunden wirklich so lang sein, wie es häufig geführt wird? Ist der aktuelle Koch-Mode-Trend echt mitmachenswert oder geht es nicht mindestens so gesund auch sehr viel einfacher und vor allem kürzer? Dann natürlich auch die Frage, ob es sich langfristig wirklich lohnt sich in Vieles einzubringen und zu engagieren aber wegen der Vielzahl nirgendwo so richtig mehr als nur den sprichwörtlichen Fuß in der Tür zu haben – also was könnte ganz gestrichen werden, damit ich weniger Engagements verfolge, um dann in diesen wenigen echt etwas zufriedenstellendes zu erreichen?

    Ja, nach der Arbeit ist oft nicht mehr so viel Luft drin und nach meiner Erfahrung muss man beim Klavier schon auch die ‘Rübe’ anstrengen und sich konzentrieren. Da ist es naheliegend Abends nur noch solche Sachen zu verfolgen, die vllt. mit Bewegung zu tun haben oder nur noch mit ausspannen. Aber bietet sich nicht hier schon eine Lösung an? In dem ich das ‘Ausspann-Programm’ Abends teilweise in früheres zu Bett gehen umleite, kann ich morgens eher aufstehen und mich konzentriert dem Klavier widmen. Kein Telefonanruf stört, die Mitbewohner ratzen noch, es ist still, unliebsame Ablenkunsmanöver wie TV, Internet, Küche, die ewig sich nach einem ausstreckende Verwandtschaft und Freunde schweigen. Hier tun sich mir 1:15 h bis 1:30 h pro Wochentag auf. Also wenn das mal keine lohnenswerte Umstrukturierung war! Natürlich kann das nur gelingen, wenn man am Abend vorher schon den nächsten Morgen im Sinn hat, denn sonst bleibt man womöglich viel zu lange auf durch viele sich anbiedernde aber nicht zwangsläufig so wertvolle Engagements.

    Klar ist, dass der Tag jedes Menschen nur 24 h umfasst und es geht nicht umhin sich wirklich sicher sein zu müssen, für welche Engagements man Zeitausgaben tätigt. Oft ist man sich nicht im Klaren darüber, wofür man Zeitausgaben tätigt, weil man sie nicht analysiert. Das ist für mich der erste Schritt; wenn man diese Analyse gemacht hat, misst man den analysierten Engagements den Wert zu, den sie aus etwas Abstand betrachtet haben sollten. Somit kann man sehen was – wenn vielleicht auch mit schwerem Herzen – einfach gestrichen werden muss, um das bekommen zu können, was mir mehr wert zu sein scheint. In diesem Fall Trainingszeit fürs Klavier. Ich habe bemerkt, dass das auch langfristige Umstrukturierungen notwendig machen kann, die ich nicht binnen eines Monats hinbekommen kann wg. verantwortlicher Selbstverpflichtung in anderen Engagements. Aber es ist möglich, wenn ich bereit bin umzusortieren. Und wer weiß, ob sich durch so eine bewusstere Planung nicht insgesamt das Leben etwas luftiger gestalten lässt? Letztlich kann es außerordentlich befriedigend und dazu auch noch für andere Menschen sehr bereichernd sein, wenn ich mich weniger kreuz und quer engagiere aber dafür in Wenigem echte Reife entwickle.

  2. Saxophonistin says:

    Mein Problem ist die Motivation. Wenn ich einen langen Tag gearbeitet habe und abends nach Hause komme, hätte ich Zeit. Aber da ist eine Tasse Tee und die Couch irgendwie viel einladender als mein Arbeitszimmer, wo das Piano steht… :-(

    • Manuel Weber says:

      Verständlich! Aber ich denke immer, wenn mich was so richtig kickt & ich es wirklich wissen will, dann bekomme ich den inneren Schweinehund überwunden. Oder andersherum: Vielleicht “zwingst” du dich erstmal ans Klavier & nach ein paar Minuten kommt dann der Spaß hinzu & du bist froh, dich dazu entschieden zu haben.

  3. Stephan says:

    Die Zeitproblematik kenne ich als Selbständiger auch. Aber sie ist eigentlich kein Problem. Selbst wenn ich ein paar Tage nicht spiele, so kann ich das am Wochenende aufholen. Und manchmal lösen sich knifflige Fragen auch von Geisterhand „über Nacht“. Plötzlich klappt, was lange Zeit trotz Üben nicht gelang. Ja, und ich stimme Manu zu: Ich nehme mir Zeit für die Dinge, die mir wichtig sind. Klavier ist mir wichtig.

    Was den Leitfaden angeht, so habe ich mir ein Word Dokument erstellt und jede Lektion von Manu mit einem Textbaustein versehen und beschrieben was der Inhalt ist, was neu ist etc. Und dann natürlich verlinkt mit dem Video. So behalte ich den Überblick über die vielen Lektionen und kann gezielt suchen und spielen, wozu ich gerade Lust habe.

    Was die Geduld angeht, so war das zu Beginn bei Manu schon ein Problem. Manu „zaubert“ selbst einfachste Passagen in wunderschöne klangvolle Settings. Da war ich schon frustriert, dass mir das nicht gelingt. Aber heute halte ich mich mit dem Satz bei Stange: „Fürchte Dich nicht, langsam zu gehen, fürchte Dich nur, stehen zu bleiben.“ Aber seit ich Manu abonniert habe, habe ich keine Angst mehr davon stehen zu bleiben. Oder wie heißt es auch: „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“

    Manu, Dein Klavierunterricht ist das schönste Weihnachtsgeschenk für mich.
    Danke!

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