Akkordsymbole & was du darüber wissen solltest

C, Bm7, F#add9, F/G… Wenn du dich mit dem freien Klavierspiel beschäftigst, wirst du ständig über diese und andere Akkordbezeichnungen stoßen. Doch was sagen diese Symbole genau aus – und was nicht?

 

Da ich immer wieder bemerke, wie viel Unklarheiten bzw. Halbwissen dazu kursieren, möchte ich hiermit sämtliche gängigen Symbolschreibweisen auflisten. Und selbst wenn du dich als absoluten Akkord-Experten bezeichnen würdest, lese trotzdem weiter: Das ein oder andere Aha-Erlebnis kommt bestimmt…

 

  • C = C-Dur. Ein großgeschriebener Buchstabe steht für einen Dur-Akkord. Dieser besteht immer aus einer großen Terz (2 Ganztonschritte) und einer kleinen Terz (1,5 Ganztonschritte). Also c e g.

 

  • Cm = C-Moll. Ein großgeschriebener Buchstabe mit nachfolgendem kleinen „m“ steht für einen Moll-Akkord. Dieser besteht immer aus einer kleinen Terz (1,5 Ganztonschritte) und einer großen Terz (2 Ganztonschritte). Also c es g.

Praxistipp: Gewöhne dir an, bei Mollakkorden auch immer das „Moll“ dazuzusagen. Ich höre regelmäßig, wie die Akkordfolge von Songs nur mit den Grundtönen beschrieben wird: „Die Akkorde zu dem Song sind C, D, F, G.“ Dabei ist allerdings nicht klar, dass es sich bei dem D um einen D-Moll handeln soll – eine sehr wichtige Information, die die Stimmung eines Songs stark verändern kann!

 

  • c = einzelner Ton c. Mit kleinen Buchstaben bezeichne ich in meinen Texteinblendungen Einzeltöne. Das ist allerdings keine „amtliche“ Schreibweise.

 

  • Die früher öfters gesehene kleine Schreibweise (also „c“ für C-Moll) ist nicht mehr gebräuchlich.

 

  • Bm = Hm: Im Zuge der internationalen Standardisierung hat es sich eingebürgert, die deutsche Schreibweise H durch das englische B sowie das deutsche B durch Bb (also mit b-Vorzeichen) zu ersetzen.
    Überhaupt macht diese Notation viel mehr Sinn, da eine Tonleiter ja dem Alphabet entspricht: a b c d e f g. Wie sich da die deutsche Schreibweise a h c d… entwickeln konnte, ist mir nach wie vor ein Rätsel… ;)

Ich spreche zwar öfters vom „H“-Akkord, notiere ihn aber meist als B. „H“ nutze ich nur bei einigen Anfängervideos, um für keine weitere Verwirrung zu sorgen.

 

  • C7 = C-Dur + 7. Ton der Tonleiter. Eine Zahl nach einem Akkord drückt immer aus, dass ein zusätzlicher Ton zum Akkord dazukommt. Diese Zahl ist dabei der Abstand zum Grundton des Akkords. Dabei gibt es zwei Besonderheiten zu beachten:
    • Der Grundton (hier c) wird bereits mitgezählt, da es sich um die Stufen der Tonleiter handelt und die beginnen nicht mit 0! Also c ist bereits 1.
    • Man zählt die Tonleiter und NICHT alle dazwischen liegenden chromatischen Töne. Also NICHT c, cis, d, dis etc., sondern c d e f g a b (<- der 7. Ton).

Dazu gibt es folgende Ausnahmen:

  • C7 / Cmaj7: Bei der 7. Stufe unterscheidet man zwischen kleiner und großer Septime. Die Kleine ist die um einen Halbton kleinere Septime, also b:

  • C7 = C-Dur + kleine Septime: c e g b

Die Große (maj = major, groß) stellt dabei den üblichen Tonleiterton dar (also h in der C-Dur Tonleiter):

  • Cmaj7 = C-Dur + große Septime: c e g h

 

Das funktioniert selbstverständlich auch bei Mollakkorden:

 

 

 

  • Cm7 = C-Moll + kleine Septime: c es g b

 

  • Cmmaj7 = C-Moll + große Septime: c es g h

Der Letzte kommt eher selten vor. Ich nenne ihn immer den „James-Bond-Akkord“. Höre dir dazu mal den Schluss der Titelmusik an.

 

  • Cadd9 = C-Dur + 9. (bzw. 2.) Ton: c d e g.

Da ausschließlich der 9. Ton und NICHT zusätzlich der 7. Ton (siehe weiter unten erklärt) mitgespielt werden soll, wird darauf durch „add“ = additional hingewiesen.

 

  • Csus4 = C-Dur + 4. Ton, allerdings ANSTELLE des 3. Tons: c f g

„sus“ bedeutet suspended / suspendiert. Wegen der starken Reibung zwischen e & f (nur ein Halbton auseinander) wird der 3. Ton e weggelassen.

 

Wenn du bewusst diesen „Reibesound“ mit allen 4 Tönen willst, kannst du ihn als Cadd11 ausdrücken, also c e g + der 11. (bzw. 4.) Ton f. Hier siehst du eine schöne Umkehrung davon.

 

Wenn der Basston anders sein soll:

  • F/G = F-Dur mit Basston g in der linken Hand. Diese Akkorde bezeichnet man als „Slash-Akkorde“. Das alte Spiel mit den Anglizismen: Slash = Schrägstrich. Und „Schrägstrich-Akkord“ würde ja irgendwie längst nicht so cool klingen ;)

 

Wer sich schon mehr von den „Standardakkorden“ weggewagt hat, wird zum Beispiel auf folgende Bezeichnungen stoßen:

  • Wenn ein Zusatzton gespielt werden soll, der einen Halbton tiefer oder höher als der normale Tonleiterton liegt, wird dieser mit b bzw. # erniedrigt bzw. erhöht.

      • Cmb5 = C-Moll + 5. Ton, dieser allerdings um einen Halbton erniedrigt: g → ges, also c es ges. Dieser Akkord wird auch verminderter Akkord genannt und auch so notiert:

      • C#5 = C-Dur + 5. Ton, dieser allerdings um einen Halbton erhöht. g → gis, also c e gis. Diesen nennt man auch übermäßig. Klingt irgendwie aufgeplustert.

 

  • C7/9 = C-Dur + 7. + 9. Ton. Bei mehreren Zusatztönen werden diese einfach durch / an den Akkordbuchstaben angehängt. Heißt hier also: c e g b d

 

  • Zur übersichtlicheren Schreibweise werden allerdings die zuvor kommenden Zusatztöne automatisch mitgespielt. Dabei geht man in Terzschichtung (wie bei einem normalen Dreiklangsakkord) vor:
    • 1  3  5  7  9  11  13
    • c  e  g  h  d  f  a
    • C9 = C7/9 – daher schreibt man Cadd9, wenn NUR der 9. Ton dazu kommen soll
    • C11 = C7/9/11
    • C13 = C7/9/13 – Ausnahme hier: die 11. Stufe wird weggelassen!

 

Was die Akkordsymbolschrift NICHT wiedergibt:

  • Umkehrung: aus einem C wird nicht klar, ob er in der Grundstellung oder in der 1. bzw. 2. Umkehrung gespielt werden soll.
    Wenn man dies ausdrücken will, dann z.B. durch Notation des obersten Tons des Akkordes in regulärer Notenschrift. Das mache ich beispielsweise in meinen „Melodie & Akkorde“-Videos.
    Ansonsten ist es dir selbst überlassen, in welcher Umkehrung du den Akkord greifst – oft ergibt diese sich aus dem Kontext des vorherigen Akkordes.

 

  • Bm7: Grundton rechts weglassen – ja oder nein? Auch das wird durch die Akkordbezeichnung nicht näher festgelegt. Wie in verschiedensten Videos gezeigt, lasse ich persönlich oft den Grundton weg, da ich diesen ja schon in der linken Hand spiele. Aber auch das ist wieder reine Geschmacksfrage und dir selbst überlassen.

 

  • Das Gleiche gilt auch für andere Akkorde wie beispielweise den Cadd9: Du kannst neben allen 4 Tönen auch das c oder das e weglassen. Einfach ausprobieren, genau hinhören und kreativ werden.

 

Diese Aufzählung ist natürlich nicht abschließend zu sehen, aber das sind mal die wichtigsten und für dich praxisrelevantesten Akkordbezeichnungen.

Hast du Fragen dazu? Dann lass doch deinen Kommentar da, den ich gerne beantworte. So haben dann alle etwas

4 Kommentare
  1. Stephan says:

    Manu, ich bedanke mich auch dafür. Insbesondere für ein Statement im Blog bedanke ich mich besonders. Quasi “seit ich laufen kann” rätsele ich darüber, wer das deutsche Alphabet verbogen hat, und nach dem “a” das “h” folgen lässt. Und Du hast endlich bestätigt, was ich intuitiv immer gefühlt habe, und womit ich schon die eine oder andere Party gesprengt habe: Eine absolut sinnfreie Aktion, die nur das Ziel hat, den Musikschülern das Leben schwer zu machen, Ihnen die (Schul) Note zu verderben und sie nachhaltig zu verwirren. Du solltest wirklich darüber nachdenken, ob Du auf Deiner Seite diesem Wahnsinn nicht ein Ende bereiten möchtest. Ich bekomme es heute noch nicht sauber auf die Reihe H, B, Bb etc. ohne Schrecksekunde zu erkennen und ohne Nachdenken zu greifen.

    • Iiflaet says:

      Auf http://www.justchords.de/theory/scales.html hatte ich mal erfahren, “dass in der damaligen altdeutschen Schreibe das H und das B sehr ähnlich aussahen, und somit leicht verwechselt wurden”. Es gibt dort auch eine vergleichende graphische Darstellung dieser zwei damals verwendeten Schreibweisen, so dass ein Übertragungsfehler jedenfalls logisch erklärbar wird. Jedoch gibt der Verfasser Rainer Böttchers auf JustChords zu bedenken, dass dies nur eine von mehreren Theorien ist. Dafür allerdings eine recht eingängige.

      Ich fände es auch leichter durchgängig überall auf PR nur noch b für h anzutreffen. Nicht nur englische Musikliteratur, auch die neueren Übersetzungen ins Deutsch solcher Musikliteratur behalten b bei und definieren das in der Einleitung mit einem Satz fürs ganze Buch. So kommt es, dass man nach meiner Wahrnehmung schon häufiger von b’s umgeben wird als von h’s und ich mir bei h dies wieder zurück übersetze in b, damit es meiner Gewöhnung entspricht.

      Was mich aber auch noch “kekst”, ist die Schreibweise von slash chords! Dem Lesefluss im Notenbild steht diese Schreibform der Logik doch entgegen, weil ich die linke Hand zunächst dem linken Buchstaben zuordne und dem rechten Buchstaben die rechte Hand. Tatsächlich muss man voraus gucken, um die Anweisung umgekehrt umzusetzen. Dazu gibts sogar ein Video auf youtube, in der diese Unlogik auch aufgegriffen wird (s. Kanal von Bill Hilton, “Slash Chords Explained in five Minutes”). Natürlich wird diese Konvention nicht umgeschrieben. Interessant ist die dort kurz genannte vertikale Schreibweise, die – zwar mehr vertikalen Platz einnehmend und damit eher unpraktisch und somit verworfen – eine etwas plausiblere Darstellung ist. Aus meiner Sicht. An der sich die Musikwelt aber nicht kratzt :-)))

      • Manuel Weber says:

        Danke für eure Anmerkungen! Damit man bei B u Bb kein “Schrecksekunde” mehr bekommt, ist reine Routinesache. Also einfach viel spielen :)

        Das mit der altdeutschen Schreibweise wusste ich noch nicht – interessant!

        Und Thema Slashakkorde: Ich lese die wie eine Art Bruchstrich, also Zähler und Nenner. Und dann hab ich oben bzw. als 1. die rechte Hand stehen und unten bzw. als 2. die linke. Damit hat es mich noch nie verwirrt. Oder anders gesagt: Die wichtigere Information daran ist ja der Akkord – und der steht zuerst!

        Die von dir erwähnte vertikale (also tatsächliche) Bruchstrichschreibweise drückt allerdings keinen Slash- sondern einen Polyakkord aus, d.h. die linke Hand spielt dabei nicht nur den Basston, sondern einen ganzen Akkord. Also quasi 2 Akkorde übereinander. Z.B: A/F (jetzt als Bruchstrich geschrieben – geht hier nur nicht) wäre dann links ein f a c, rechts a cis e. Zum schöneren Gesamtklang könnte man es z.B. so spielen: f c a e a cis. Gibt dann eine schöne Reibung zwischen c & cis. Damit sind wir dann aber schon wieder in jazzigen Gefilden angekommen.

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