Wie schaut man “richtig“ Tutorials?

Oder anders gefragt: Kann man Tutorials eigentlich auch „falsch“ schauen? Interessante Frage; schließlich ist jeder Mensch einzigartig und genau so unterschiedlich ist vermutlich die Art und Weise, wie wir uns neues Wissen aneignen, Dinge lernen und Zusammenhänge verstehen.

 

Ich bin kürzlich auf die tollen Piano-Tutorials des von mir sehr geschätzten Jazzpianisten Ruslan Sirota gestoßen (hier sein youtube-Channel) und habe mir gleich begeistert einige seiner Videos „reingezogen“. Und dabei mich selbst beobachtet: Wie ich schaue, auf was ich achte, wie ich damit übe etc.

Dabei von der Rolle des Coaches zurück in die Rolle des Schülers zu schlüpfen, fand ich hoch interessant. Und da ist mir die Idee zum heutigen Blogartikel gekommen, in der Hoffnung, dass er dich inspiriert und am Piano voranbringt.

 

Hier also meine Top 5, wie du „richtig“ Tutorials schauen kannst:

1. Regelmäßig auf Pause drücken

Ein Tutorial ist keine Vorabendserie – es geht also nicht primär um Unterhaltung (wobei Tutorials durchaus auch unterhaltend sein sollten!), sondern darum, etwas Neues zu lernen. Natürlich habe ich mich auch schon dabei ertappt, mir irgendein Lehrvideo bequem am Sofa mit einer Tasse Kaffee in der Hand anzusehen, dabei regelmäßig mit dem Kopf zu nicken und dem Gehörten wissend zuzustimmen. Aber der Punkt ist: Ich möchte etwas Neues lernen. Und dazu ist es quasi ein Muss, dass ich regelmäßig auf Pause schalte, innehalte und über das Gehörte nachdenke oder auch zurückspule, um mir ein Detail mehrfach anzusehen.

 

2. Am Klavier sitzen

Damit kommen wir gleich zum nächsten Punkt: Runter vom Sofa und ran ans Klavier! Ich möchte Sachen immer sofort mitspielen, ausprobieren und meine eigene Erfahrung damit machen. Weil zwischen den Schritten, etwas zu hören und irgendwie auch nachvollziehen zu können oder es selbst in der Praxis umzusetzen, liegt oft ein Riesenunterschied!

 

3. Zwischen den Zeilen hören

Es mag in einem Tutorial eigentlich um ein ganz anderes Thema gehen, aber spannende Zusatzinformationen findet man oft „zwischen den Zeilen“.

Mit welchem Fingersatz spielt der Coach die Passage, wie ist seine Betonung / Phrasierung, wie denkt er bzw. was hat er für interessante Herangehensweisen? Wenn ich mir ab und zu eine Unterrichtsstunde nehme, ist es für mich immer spannend zu erfahren, wie mein Lehrer denkt bzw. in einer bestimmten Sache vorgeht. Und das kannst du genauso auf Tutorials übertragen, wenn du „zwischen den Zeilen“ hörst.

Oder ich hatte in besagtem Ruslan-Tutorial den Moment, dass er einen Akkord spielt, den ich auf diese Weise nicht wirklich auf dem Schirm hatte. Also habe ich gleich mal auf Pause gedrückt (siehe Punkt 1) und habe diesen Akkord geübt, weil er mir sofort so gut gefallen hat. Meine intrinsische Motivation war also geweckt. Sprich auch wenn’s in dem Video gar nicht primär um diesen Punkt ging, hat er mich inspiriert und mir direkt wieder einen kleinen Trick geliefert, den ich in mein Spiel integrieren kann.

 

4. Kreativ üben

Das ist der nächste Schritt, den ich dann mit diesem neuerlernten Akkord gemacht habe. Ich spiele ihn in verschiedenen Tonarten und probiere mir ihn gut einzuprägen, sodass ich ihn schnell finden kann. Ich versuche, ihn mit passenden anderen Akkorden zu verbinden, damit ich ein Gefühl dafür bekomme, wie er im musikalischen Zusammenhang klingt.

Kleiner Praxistrick dazu: Nimm einen Akkord und übe ihn durch den Quintenzirkel. Also C, G, D, A, E, usw. Damit verschiebst du ihn nicht einfach halbtönig nach oben und unten, sondern musst ihn für jede Position lernen – viel effektiver!

Oder du entdeckst im Video einen coolen Lick, um den es zwar gar nicht geht, der aber im Spiel deines Lehrers vorkommt. Warum nicht anhalten, zurückspulen, den Lick heraushören und kreativ üben? Das ist der schnellste Weg, dein Spiel aufs nächste Level zu bekommen!

 

5. Mehrfach anschauen

Du hast das Tutorial komplett angesehen und geübt? Schau es dir ruhig nochmal an! Da du jetzt ja schon die Quintessenz (hoffentlich) verstanden hast, kannst du dich nun auf Details konzentrieren. Oder wie bei jedem guten Hollywood-Film: Bei mehrfachem Ansehen stechen dir ganz neue Aspekte ins Auge, die du beim ersten Mal völlig übersehen hast!

Auch hier ist nämlich die Gefahr, schnell weiter zum nächsten Tutorial gehen zu wollen, ohne sich mit dem vorherigen Thema wirklich befasst zu haben. Oder vielleicht kennst du die Situation, dass du einen Song so halbwegs spielen kannst, aber nie wirklich fehlerfrei und ohne Stocken durchkommst. Meiner persönlichen Erfahrung nach habe ich immer am meisten profitiert, wenn ich irgendetwas nach einer Zeit richtig konnte, anstelle mich „durchzumogeln“. Weil nur so wird ein Lick, Akkord oder Rhythmus wirklich in dein musikalisches Unterbewusstsein gelangen, sodass du ihn ganz automatisch und mühelos anwenden kannst.

 

Das waren meine Top 5 zum Tutorials schauen.

Was sind deine Erfahrungen zu diesem Thema? Wie schaust du am liebsten deine Videos und lernst davon? Lass ruhig einen Kommentar da!

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