Kreativität – angeboren oder erlernbar?

Kreativ – jeder Mensch ist es auf eine bestimmte Art und Weise und viele wissen es gar nicht!
Ich bekomme regelmäßig von Schülern das Feedback, dass es ihnen verhältnismäßig leicht fällt, genau das nachzuspielen, was ich ihnen zeige – tricky wird’s für sie dann erst, wenn sie selbst daraus etwas Kreatives erschaffen sollen.

Darum ist heute das Thema „Kreativität“ angesagt. Zu Beginn gleich mal eine ketzerische Aussage: Wer von sich behauptet, er sei nicht kreativ, sucht nur eine Ausrede, nicht kreativ sein zu müssen!

 

Zum einen denke ich, Kreativität ist angeboren. Sprich: Jeder Mensch ist kreativ. Das Wort an sich bedeutet ja, etwas Neues zu kreieren, zu erschaffen. Das klingt ziemlich spektakulär – und ist es auch! Allein wie sich die Menschheit in Wissen, Forschung, Technologie, Medizin uvm. in den letzten 100 Jahren weiterentwickelt hat, haut einen doch jedes Mal aufs Neue vom Hocker. Und das immer dadurch, weil irgendjemand irgendetwas Neues gemacht, erforscht, ausprobiert hat. Das unterscheidet uns von der Tierwelt, die sich vor allem instinktgesteuert verhält. Und sind wir mal ehrlich: Jeder von uns hat schon mal etwas Neues „erschaffen“: ein improvisiertes Kochrezept, Zimmerdeko, stilvoll kombinierte Inneneinrichtung, heimwerkliche „Do it yourselfs“, eine Zeichnung, etwas Gebasteltes, ein Blumengesteck, ein selbstgeschriebenes Gedicht, ein Fotobuch, eine Rede, eine Präsentation, die zündende Geschäftsidee, eine Geschichte… Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Du weißt selbst am besten, in welchem Bereich deine Stärken liegen. Vielleicht würdest du dich in diesem gar nicht als sonderlich „kreativ“ bezeichnen, weil es für dich so natürlich ist – aber mach dir mal bewusst, was da eigentlich in dir steckt!

Dazu kommt, dass wir „kreativ sein“ manchmal auch viel zu hoch definieren. Muss ja nicht immer heißen, dass man das Rad neu erfindet! Auch eine Veränderung, Variation, Abwandlung ist letztlich Kreativität. Oder auch, sich von etwas inspirieren zu lassen und daraus etwas Neues zu entwickeln.

 

Ich bin aber auch überzeugt, dass es nicht nur auf unsere DNA ankommt: Kreativität ist erlernbar. Kein Baby kommt auf die Welt und hat extrem kreative Einfälle. Kreativ zu sein lernt es dann erst in seiner natürlichen Entwicklung, sei es beim Spielen, Basteln, etc. Ich habe z.B. immer gerne mit Lego selbst ausgedachte Sachen gebaut ohne Anleitung. Damals wusste ich gar nicht, dass sich das „kreativ sein“ nennt. Es war ganz einfach die natürlichste Sache der Welt für mich.

 

Also ist Kreativität beides – angeboren und erlernbar. Unsere Kreativität ist oft nur dadurch eingeschränkt, dass wir uns nicht wirklich trauen, kreativ zu sein. Ich wette, du kannst am Klavier kreativ sein – vielleicht weißt du es nur noch nicht! Oder du weißt nicht, wie du an die Sache rangehen musst.

 

Manchmal denke ich, dass ich als Kind bzw. Teenager viel unvoreingenommener an Musik herangegangen bin als heute. Ich hatte einfach Spaß und hab mir keinen großen Kopf gemacht, ob das gerade so „richtig“ ist und allen gefällt. Weil was uns am Kreativsein hindert, sind unsere Hauptängste beim ersten Versuch: Spiele ich das gerade richtig? Klingt es gut? Passt es überhaupt? Und was würde Person xy dazu sagen?

Wenn du es schaffst, dich von diesen Gedanken frei zu machen, wirst du kreativer sein – versprochen!

 

Ich schaue derzeit Tutorials vom weltberühmten Hollywood-Filmkomponisten Hans Zimmer, in denen er Einblick gewährt, wie er arbeitet und – noch wichtiger – wie er denkt. In einer Szene ist auf seinem Keyboard der Sound eines großen Streichorchesters eingestellt und er spielt einfach ein paar Töne nacheinander, um eine simple Melodie zu entwickeln. Und was sagt er dabei wortwörtlich? Er ließe einfach seine Hand auf die Tastatur gleiten und wolle schauen, was dabei herauskomme. Ein super Ansatzpunkt! Einfach mal trauen, einige Töne zu spielen und sich selbst dabei zuhören. Und schon hast du eine kleine Melodie! Die könnte z.B. der Ausgangspunkt für ein neues Lick oder Ostinato (eine sich wiederholende Figur) sein.

2. Beispiel: Ich war letztens mit einer Band einige Tage im Proberaum, um Unplugged-Versionen von Songs zu arrangieren (also sie so umzuwandeln, dass sie nur mit akustischen Instrumenten gespielt werden können). Dafür haben wir probiert, uns von sämtlichen Originalversionen zu „trennen“, um völlig neue akustische Arrangements zu basteln. Das funktioniert so, dass einer aus der Runde eine Idee in den Raum wirft, die den Nächsten zu einer weiteren inspiriert und langsam setzt sich etwas Neues zusammen. Manchmal merkt man auch nach 3 Stunden, dass das Ganze ein Irrweg war und beginnt von vorne…

Und wieder mal habe ich festgestellt, dass ich die meisten Ideen durchs „Rumprobieren“ bekomme. Oder der Gitarrist schlägt etwas vor und mir fällt sofort dazu ein, dass man den 2. Ton durch einen anderen ersetzen sollte o.ä. Das Stichwort dabei: wirklich alles ausprobieren. Sich trauen kreativ zu sein.

 

Was ich in den Tagen mal wieder neu gemerkt habe: Wie spannend und letztlich befriedigend es ist, kreativ sein zu dürfen.

 

Was heißt das jetzt alles konkret für dich? Trau dich, kreativ zu sein! Denn die Kreativität an sich ist schon in dir drin – und falls sie am Piano noch nicht genügend entwickelt ist, kannst du das lernen! Und der schnellste Weg dazu ist es nicht, nur Dinge nachzuspielen, sondern ganz einfach auszuprobieren, sich von Sachen inspirieren zu lassen und diese zu verändern. Auch wenn die ersten Ergebnisse vielleicht noch nicht so brillant klingen.

Ich bin im Proberaum letztens auch öfters ratlos am Klavier gesessen und fühlte mich völlig ideenlos. Aber irgendwann kam dann wieder eine um die Ecke. Oder ein Tipp von einem Bandmitglied hat sich als zündender Trick entpuppt, der mich weitergebracht hat. Oder ich hab mich mal verspielt, aber das hat mich auf die passende Idee gebracht. Das ist übrigens sowieso immer ein geiler Trick: durch Verspieler auf etwas Neues kommen. Das passiert aber nur, wenn du dich traust, dich auch zu verspielen ;). So keep going!

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